Indikationskriterien für Spezialisierte Palliative Care
Projektbeschrieb
Die Idee zu diesem Projekt entstand an einem Netzwerktreffen der Mobilen palliativen Dienste (MPD) von palliative.ch. Engagierte Fachpersonen aus der Palliative Care sowie aus der Geschäftsstelle starteten ganz klassisch mit einem „ä chley umespinne“. Daraus wuchs eine Projektidee, daraus eine Projektförderung – und schliesslich die Motivation für zahlreiche engagierte Fachpersonen, sich an einem Feldtest zu beteiligen.
Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass ein relevanter Anteil von Menschen in palliativen Situationen spezialisierte Unterstützung benötigt, diese jedoch häufig zu spät oder nicht systematisch einbezogen wird. Mobile Palliative Care Dienste (MPD) unterstützen Hausärzt:innen sowie Pflegefachpersonen von Spitexorganisationen und/oder Pflegeheimen bei komplexen oder vorübergehend instabilen Patientensituationen. Um festzustellen, ab wann – im Unterschied zur allgemeinen Palliative Care – eine spezialisierte Palliative Care erforderlich ist, können verschiedene Indikations- beziehungsweise Messinstrumente eingesetzt werden.
Das Projekt «Indikationskriterien für spezialisierte Palliative Care» möchte ein einheitliches Instrument einführen. Durch die Verbreitung eines solchen Instruments erhoffen sich die Fachspezialist:innen des Sounding-Boards sowie die Co-Projektleitung und die am Test-Teilnehmenden verschiedene Vorteile: die Vereinheitlichung der Messkriterien, die Gewinnung von Daten für die Versorgungssteuerung und deren Finanzierung sowie vor allem die Sicherstellung einer bedarfs- und bedürfnisgerechten Versorgung und die frühzeitige Erkennung des Bedarfs an Palliative Care.
Das Projekt hat klar zum Ziel, ein einheitliches und praxisnahes Instrument zur frühzeitigen Identifikation von Patientinnen und Patienten mit Bedarf an spezialisierter Palliative Care in der Deutschschweiz zu etablieren. Damit soll eine bedarfsgerechte Versorgung gestärkt, die Zusammenarbeit zwischen Grundversorgung und spezialisierten Diensten verbessert sowie eine evidenzbasierte Grundlage für die Weiterentwicklung der Versorgungsplanung geschaffen werden.
Für die einheitliche Datenerfassung hat sich das Projektteam für den EPS-Test («Erfassen palliativer Situationen»), entwickelt von Dr. med. Andreas Weber, Wetzikon, entschieden. Die Andreas Weber-Stiftung stellt den EPS-Test verdankenswerterweise als Open Source auf ihrer Website zur Verfügung.
Nach der Freigabe der finanziellen Unterstützung durch die Age-Stiftung — ohne die eine Umsetzung nicht möglich gewesen wäre — sowie der Zusage der Projektförderung durch Spitex Zürich und dem Verband der Spitäler, Kliniken, Pflegeinstitutionen und Spitex-Organisationen im Kanton Aargau (vaka) konnte palliative.ch das Projekt lancieren. Unter der Leitung, Begleitung und Koordination von Michael Bruhin und Daniela Foos setzen seit dem 1. September 2024 sieben mobile palliative Dienste (MPD) bei ihren Patientinnen und Patienten systematisch den EPS-Test ein. Mit diesem Indikationsinstrument sollen 500 bis 1000 Fälle online gesammelt und ausgewertet werden. Ziel ist es, mithilfe dieses einheitlichen Instruments festzustellen, wann eine Patientin oder ein Patient spezialisierte Palliative Care benötigt.
Mit dem Einsatz des EPS-Tests soll ein strukturiertes Vorgehen gefördert werden, das Fachpersonen in der Grundversorgung bei der Einschätzung komplexer Situationen unterstützt und ein frühzeitiges Erkennen und Handeln ermöglicht.
Zum EPS-Test mit integrierter Schulung