«Wer lindert den Schmerz, wenn Versorgung fehlt?»
Am 10. Oktober findet der Welt Hospiz- und Palliative Care-Tag statt. Das internationale Motto «Pain Management: An Essential Part of Palliative Care» stellt die Schmerzbehandlung ins Zentrum. palliative.ch macht zum Welttag auf die Bedeutung einer wirksamen, ganzheitlichen Schmerzbehandlung und auf Versorgungslücken in der Schweiz aufmerksam. Im Oktober und November machen die 14 Sektionen von palliative.ch Palliative Care mit vielfältigen Aktivitäten in den Regionen sichtbar.
Schmerzen können Menschen mit schweren und lebenslimitierenden Erkrankungen stark belasten. Neben körperlichen Beschwerden können psychische, soziale, spirituelle und existenzielle Belastungen das Leiden prägen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO hervorhebt, berücksichtigt Palliative Care körperliche, psychische, soziale und spirituelle Belastungen. Sie lindert Beschwerden, unterstützt Angehörige und hilft, die bestmögliche Lebensqualität zu erhalten.
Gute Schmerzbehandlung braucht Zugang und Kompetenz
Schmerzlinderung ist kein Luxus. Eine angemessene Schmerzbehandlung gehört zu einer qualitativ guten und menschenwürdigen Gesundheitsversorgung.
Der Bedarf in der Schweiz ist erheblich. Der Bericht «Kosten und Finanzierung von Palliative Care» (2025), erstellt von Polynomics im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG), nennt für das Bezugsjahr 2020 rund 104’000 Palliative-Care-Situationen im letzten Lebensjahr. Wird der Bedarf im Krankheitsverlauf berücksichtigt, sind es bis zu 715’000 Situationen pro Jahr. Diese Schätzungen zählen Versorgungssituationen, nicht ebenso viele verschiedene Menschen: Eine Person kann mehrfach und in unterschiedlichen Versorgungsbereichen berücksichtigt sein.
Der Bericht zeigt Versorgungslücken im Spital, im Pflegeheim, in Hospizstrukturen und zu Hause. Auch regional bestehen grosse Unterschiede. Eine gute Schmerzbehandlung braucht deshalb neben Medikamenten qualifizierte Fachpersonen, eine sorgfältige und regelmässige Einschätzung der Beschwerden sowie die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen.
Angehörige brauchen ebenfalls Unterstützung. Gerade zu Hause beobachten sie Veränderungen, helfen bei der Medikamenteneinnahme und übernehmen einen erheblichen Teil der täglichen Betreuung. Information, Anleitung und verlässliche professionelle Begleitung helfen ihnen, diese Aufgaben zu bewältigen.
Palliative Care braucht verlässliche Strukturen
Qualitativ gute Palliative Care muss dort verfügbar sein, wo Menschen sie benötigen – zu Hause, im Pflegeheim, im Spital oder in einem Hospiz. Dazu gehört eine verlässliche Finanzierung.
Wie das BAG am 12. Juni 2026 mitteilte, ist ein wichtiger Schritt beschlossen: Ab 1. Januar 2027 erhöht das Eidgenössische Departement des Innern im Auftrag des Bundesrats die Beiträge der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für die spezialisierte Palliativpflege im ambulanten Bereich und im Pflegeheim. Die Kantone bleiben für eine sachgerechte Restfinanzierung verantwortlich.
Weiterhin müssen Leistungen ausserhalb des Leistungsumfangs der obligatorischen Krankenpflegeversicherung anderweitig finanziert werden. Dazu zählen je nach Leistung und Angebot etwa Seelsorge und Betreuungsleistungen. Auch die Finanzierung unterscheidet sich zwischen den Kantonen.
palliative.ch setzt sich deshalb für eine bedarfsgerechte und nachhaltig finanzierte Palliative Care in allen Versorgungsbereichen ein. Der Zugang zu guter Betreuung darf nicht vom Wohnort oder von den finanziellen Möglichkeiten eines Menschen abhängen.
Die Sektionen bringen Palliative Care in die Regionen
Im Oktober und November 2026 engagieren sich die 14 Sektionen von palliative.ch mit zahlreichen Aktivitäten. Das Spektrum reicht von Letzte-Hilfe-Kursen, Gesprächsabenden und Veranstaltungen zum Sterben zu Hause bis zu Theater, Literatur und Ausstellungen. Hinzu kommen Angebote zur gesundheitlichen Vorausplanung und zur Patientenverfügung. Die Veranstaltungen richten sich an Fachpersonen, Betroffene und Angehörige sowie an die breite Bevölkerung.
Damit machen die Sektionen sichtbar: Die Auseinandersetzung mit schwerer Krankheit, Sterben und Tod betrifft uns alle. Wie möchten wir am Lebensende begleitet werden? Was brauchen Angehörige? Und wie sprechen wir über Sterben und Tod?
«Die Woche zum Leben mit dem Tod»
Vom 24. Oktober bis 1. November 2026 findet die «Woche zum Leben mit dem Tod» statt. Als Teil der Bewegung endlich.menschlich. schafft sie in verschiedenen Schweizer Städten Räume für Begegnung, Dialog, Bildung und Kultur. Die Sektionen verbinden ihre fachliche Kompetenz mit Institutionen, Gemeinden und Netzwerken vor Ort. Ziel ist es, Sterben, Tod und Trauer zurück ins gesellschaftliche Gespräch zu bringen.
Über palliative.ch
palliative.ch ist eine multiprofessionelle Fachgesellschaft. Ihre Mitglieder kommen aus den unterschiedlichen Berufsgruppen, die in der Palliative Care tätig sind – darunter Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Seelsorgende, Freiwillige und weitere Berufsgruppen. Ziel der Fachgesellschaft ist es, die Verbreitung der Palliative Care zu verbessern sowie die Qualität von palliativer Medizin, Pflege und Begleitung professionell zu fördern und zu sichern.
Die 14 Sektionen von palliative.ch setzen sich als eigenständige Vereine für ein umfassendes Angebot in allen Regionen der Schweiz ein.
endlich.menschlich. – die etwas andere Bewegung
Einen gemeinsamen sichtbaren Schwerpunkt bildet die «Woche zum Leben mit dem Tod» vom 24. Oktober bis 1. November 2026. In verschiedenen Schweizer Städten öffnen sich gleichzeitig Räume für Begegnung, Dialog, Bildung und kulturelle Auseinandersetzung mit dem Lebensende. Theater, Bibliotheken, Kirchen, Schulen und andere öffentliche Orte werden zu Orten des Gesprächs über Sterben, Tod und Trauer.
Die Woche ist Teil von endlich.menschlich. Ziel der Bewegung ist es, Sterben, Tod und Trauer zurück ins gesellschaftliche Gespräch zu bringen. Dabei gibt es bewusst nicht das eine Format oder das eine Programm: Die Regionen wählen ihre eigenen Zugänge, nutzen bestehende Netzwerke und beziehen Menschen und Organisationen vor Ort ein.
Die Sektionen von palliative.ch übernehmen dabei eine wichtige Brückenfunktion. Sie verbinden ihre fachliche Kompetenz in Palliative Care mit den Institutionen, Gemeinden und Netzwerken ihrer Regionen. So können aus vielen unterschiedlichen lokalen Aktivitäten gemeinsame Impulse entstehen – regional verwurzelt und schweizweit verbunden.
Getragen wird die Bewegung vom Verein endlich.menschlich.
24. Okt. bis 1. Nov.:
endlich.menschlich.: Die Woche
Kantonale Palliative Care Woche in Olten und Solothurn:
Kanton Solothurn | Die Woche zum Leben mit dem Tod
Quellen und weitere Informationen:
BAG / Polynomics: Kosten und Finanzierung von Palliative Care (20. März 2025)
BAG: Spezialisierte Palliativpflege wird höher vergütet (12. Juni 2026)
WHO: Palliative care – Faktenblatt (5. August 2020)