Sprachen: DE FR IT  EN
Bereich: PUBLIKUM  FACHWELT     
 

Im FokusWas bedeutet Palliative Care?Wann beginnt Palliative Care?Wer bezahlt?FAQPalliative Care hat ZukunftDie Geschichte der Palliative CareNationale StrategieFachbegriffeBuchempfehlungen

Fachbegriffe

Ambulanter Hospizdienst
Ambulante Hospizdienste unterstützen und ergänzen die ambulante Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen zu Hause. Dies ist besonders wichtig, da die meisten Menschen auch bei schwerer Krankheit am liebsten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben möchten.
Manche ambulanten Hospizdienste bestehen vorwiegend aus Pflegefachleuten und Freiwilligen. Andere ambulante Hospizdienste unterstützen die Grundversorger (Hausärztinnen und -ärzte, Spitex) durch ein multiprofessionelles Team mit hoch spezialisierter Palliative Care.
Beihilfe zum Suizid
Beihilfe durch eine Drittperson zum Freitod (Suizid). Die Beihilfe ist in der Schweiz gemäss Artikel 115 des Strafgesetzbuches straffrei, sofern eigennützige Motive ausgeschlossen werden können. Sie wird von Laienorganisationen wie EXIT und Dignitas praktiziert.
Bei Selbsttötung durch ärztliche Beihilfe spricht man von Physician-Assisted Suicide (PAS). Die Beihilfe zum Suizid sollte von den anderen Formen der Sterbehilfe unterschieden werden (passive, indirekt aktive und aktive Sterbehilfe, siehe dort).
End of Life Care
End of Life Care ist der englische Fachbegriff für Medizin, Pflege und Begleitung in der letzten Lebensphase. Er beinhaltet medizinische, psychologische, spirituelle und soziokulturelle Aspekte. Die Kommunikation mit Patient und Angehörigen und die Begleitung der Angehörigen haben einen hohen Stellenwert. Am Lebensende können sich besondere ethische Fragen stellen, beispielsweise zum Verzicht oder Abbruch einer Behandlung, zur Patientenverfügung oder zu einer Sedation (künstlicher Schlaf).
Euthanasie
Von griechisch «eu» – gut, richtig, schön, und «thanatos» – Tod. Der Begriff Euthanasie hat in der deutschen Sprache unterschiedliche Bedeutungen und ist geschichtlich belastet. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte er daher vermieden werden. Die Begriffe aktive, indirekt aktive und passive Sterbehilfe sind gut definierte, alternative Bezeichnungen (siehe dort).
Freiwillige (Ehrenamtliche)
Freiwillige Helfer bilden einen unentbehrlichen Bestandteil der palliativmedizinischen Betreuung und Begleitung. Sie stellen oft eine «Brücke» zum gesunden Leben dar.
Den Patientinnen, Patienten und Angehörigen bieten sie mitmenschliche Begleitung und Beratung in der Zeit von Krankheit, Abschied und Trauer. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur psychosozialen und emotionalen Entlastung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen. Freiwillige arbeiten eng mit den Grundversorgern und den übrigen Fachpersonen der palliativen Versorgung zusammen. Sie sind tätig im Spital, im Alterspflegeheim oder im häuslichen Bereich.
Auch Freiwillige haben Rechte und Pflichten. Um als Freiwillige/-r im Palliativbereich arbeiten zu können, ist eine Schulung notwendig.
Nähere Auskünfte über Angebote und Ausbildungsorte geben beispielsweise die Sektionen von palliative ch, die Ligen und Caritas.
Home Care
Englischer Begriff für Betreuung zu Hause.
Hospiz
Von lateinisch «hospitium» – Gastfreundschaft, Gast. In einem Hospiz werden Patientinnen und Patienten in der letzten Lebensphase betreut, bei welchen eine Behandlung zu Hause oder im Pflegeheim nicht möglich ist, die Infrastruktur eines Akutspitals aber nicht sinnvoll ist. Ein spezialisiertes, multiprofessionelles Team kümmert sich in einem ganzheitlichen Ansatz um die Patientinnen, Patienten und Angehörigen. Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen hohen Stellenwert.
Mobiler Palliativdienst (ambulant)
Der mobile Palliativdienst ist ein auf Palliative Care spezialisiertes Team. Er arbeitet im ambulanten Bereich und unterstützt die Übergänge zwischen Spital und Versorgung zu Hause. Der Palliativdienst berät und unterstützt die übrigen Betreuenden bei komplexen palliativmedizinischen Problemen, beispielsweise bei einer schwierigen Schmerzeinstellung, bei der Bedienung von Medikamentenpumpen oder bei Transfusionen. Auch Patientinnen, Patienten und Angehörige können sich durch den Palliativdienst beraten lassen.
Multiprofessionelles Team
Ein Behandlungsteam, das aus verschiedenen Berufsgruppen besteht, beispielsweise aus Pflegenden, Ärzten, Seelsorgern, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten und anderen assoziierten Diensten. Patienten in Palliativsituationen leiden oft an verschiedenen Beschwerden und Einschränkungen. Sie sind daher in besonderem Mass auf eine multiprofessionelle Betreuung angewiesen.
Opiate und Opioide
Opioid bedeutet «dem Opium ähnlich». Gemeint ist eine Gruppe von natürlichen und synthetischen Substanzen, die morphinähnliche Eigenschaften aufweisen. Sie alle wirken an den sogenannten Opioid-Rezeptoren.
Als «Opiate» bezeichnet man die natürlichen Stoffe, die aus der Milch des Schlafmohns gewonnen werden. Auch sie wirken an den Opioid-Rezeptoren.
Opioide sind chemisch unterschiedlich zusammengesetzt. Ihre Wirkungsweise ist komplex. Sie alle wirken als starke Schmerzmittel (Analgesie). In höheren Konzentrationen unterdrücken sie die Atmung, was bei Atemnot therapeutisch genutzt werden kann. Richtig angewendet können Opioide über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden, ohne Leber, Niere oder Magen zu schädigen. Es liegen zahlreiche Darreichungsformen vor (Tabletten, Tropfen, Pulver, Zäpfchen, 3-Tage-Pflaster, Ampullen). Opioide können auch bei Kindern und älteren Menschen eingesetzt werden. Wichtigste Nebenwirkungen sind Verstopfung (Obstipation) und Abhängigkeit. In der Schweiz ist die Opioidabgabe durch das Betäubungsmittelgesetzt geregelt.
Beispiele für Opioide: Morphin, Hydromorphon, Methadon, Oxycodon, Fentanyl.
Palliativer Konsiliardienst (im Spital)
Team aus verschiedenen Fachpersonen (Pflegende, Ärzte, Sozialarbeiter, andere), das eine spezialisierte Palliative Care anbietet. Der Konsiliardienst berät vor allem die betreuenden Ärzte und Pflegenden auf den Stationen oder im Ambulatorium, Erst in zweiter Linie berät er Patienten oder Angehörige.
Palliativpatienten
Patientinnen und Patienten mit einer unheilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Palliativpatienten benötigen Linderung von körperlichen und seelischen Beschwerden sowie eine psychosoziale und spirituelle Begleitung.
Palliativstation
Eine Palliativstation ist eine eigenständige Abteilung in einem Akutspital, die auf die Versorgung von Palliativpatienten spezialisiert ist. Ein spezialisiertes, multiprofessionelles Team kümmert sich in einem ganzheitlichen Ansatz um die Patientinnen, Patienten und Angehörigen. Gründe für eine Hospitalisation auf einer Palliativstation können sein: komplexe körperliche, seelische, soziale oder spirituelle Problematik, schwierige Entscheidungsfindung, Evaluation und Vorbereitung der zukünftigen Betreuungsstruktur, Erschöpfung des bisher behandelnden Netzes, schwer belastende Situation in der Sterbephase.
Man rechnet mit rund 80–100 spezialisierten Palliativ- und Hospizbetten pro Million Einwohner (EU Council, 2003).
Sedation
Gabe von Medikamenten, die eine Distanzierung oder einen künstlichen Schlaf bewirken. Eine Sedation kann oberflächlich oder tief sein, vorübergehend oder dauerhaft. Es liegen keine sicheren Hinweise vor, dass eine Sedation an sich lebensverkürzend oder lebensverlängernd wirkt. Oberstes Ziel einer sogenannten palliativen Sedation ist, belastende Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot oder Angst zu lindern, wenn andere Massnahmen nicht ausreichend geholfen haben. Unter diesen Voraussetzungen ist die Sedation heute ein selbstverständlicher Bestandteil der Palliative Care.
Sterbehilfe, passive
Entscheidung des Arztes, entweder auf eine lebensverlängernde Therapie zu verzichten oder eine bereits begonnene lebensverlängernde Therapie abzubrechen. Allgemein anerkannter Bestandteil der Schulmedizin bzw. der Palliativmedizin.
Bsp: Verzicht auf Antibiotika trotz Infektion, Abbruch einer Antibiotikabehandlung, Verzicht auf Beatmung oder Reanimation.
Sterbehilfe, indirekt aktive
Inkaufnehmen einer indirekten Lebensverkürzung durch Medikamente, die zur Linderung schwerster Symptome – besonders von Schmerz, Angst oder Erstickungsgefühl – verabreicht werden. Sie ist straffrei. Allgemein anerkannter Bestandteil der Palliativmedizin.
Primäres Ziel ist also Verminderung von Leiden, nicht der Tod.
Bsp: Bei schwersten Schmerzen Morphingabe in einer Dosis, die eine Atemsuppression (Nebenwirkung bei sehr hoher Dosis) bewirken und dadurch zum Tod führen kann.
Sterbehilfe, aktive
Gezielte, rasche und nicht schmerzhafte Tötung eines Menschen mit einer unheilbaren Krankheit mit dem Ziel, sein Leben zu beenden. Nach Artikel 111, 113 und 114 des Strafgesetzbuches in der Schweiz strafbar. Unterschieden werden:
a) Auf Verlangen (voluntary euthanasia)
b) Ohne entsprechende wiederholte Willensäusserung des Patienten (involuntary euthanasia oder life-terminating act without explicit request LAWER).
c) Gegen den expliziten Willen des Betroffenen (non-voluntary euthanasia)
Sterbephase
Der Übergang von der terminalen Phase zur Sterbephase ist fliessend. Die Sterbephase bezieht sich meistens auf die letzten Stunden des Lebens. Anzeichen für die Sterbephase können sein: starkes Schlafbedürfnis, reduzierte Wahrnehmung der Aussenwelt, Verwirrtheit, verminderte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, versiegende Ausscheidung, kalte Hände und Füsse, veränderter Atemrhythmus (schnell oder mit Atempausen), bleiche, wächserne Haut, schwacher Puls.
Supportive Therapie
Unterstützende, lindernde Behandlung. In der Onkologie wird die Belastung durch die tumorspezifischen Behandlungen (z.B. Chemotherapie, Bestrahlung, Operation) durch supportive Massnahmen möglichst gering gehalten.
Terminale Lebensphase
Die letzte Lebensphase. Wann die letzte Lebensphase beginnt, lässt sich nicht exakt definieren. Sie kann Stunden, Tage, Wochen oder sogar wenige Monate dauern. Die betroffenen Patientinnen und Patienten sind trotz guter Beschwerdebehandlung zunehmend in ihren Aktivitäten eingeschränkt. Ihre Bedürfnisse, wie Hunger, Durst oder Schlafbedürfnis, ändern sich. Die Betroffenen und ihre Angehörigen nehmen Abschied von geliebten Menschen, Hoffnungen und Wünschen. Die meisten Patientinnen und Patienten setzen sich mit der Endlichkeit ihres Lebens und mit dem eigenen Sterben auseinander.
Angesichts der vielen Veränderungen, Einschränkungen und der seelische Belastung fühlen sich die begleitenden Angehörigen manchmal sehr unsicher. Es gibt heute verschiedene Ratgeber, die den Betroffenen helfen, die Veränderungen in der letzten Lebensphase besser zu verstehen.
Broschüre „Wenn ein geliebter Mensch stirbt.“