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ForschungArbeitsgruppe Tarife
Informationsveranstaltung zu den Tarifen der spez. Palliative Care im DRG-System

Best Practice

 

Informationsveranstaltung zu den Tarifen der spezialisierte Palliative Care im DRG-System: Welchen Wert hat die letzte Lebensphase?

Bern, 24.10.18

Am 24. Oktober 2018 haben im Rahmen der Informationsveranstaltung von palliative ch zu den Tarifen der stationären, spezialisierten Palliative Care, welche in Zusammenarbeit mit SwissDRG durchgeführt wurde, Expertinnen und Experten zum Wert der letzten Lebensphase referiert und diskutiert.

Zu Beginn informierte Lea von Wartburg, Co-Leiterin der Koordinationsstelle der Nationalen Plattform Palliative Care und Leiterin des Projektes «Koordinierte Versorgung» des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), über Aktionen und Absichten des ständerätlichen Postulats der Sozial- und Gesundheitskommission (Postulat 18.3384) für eine «bessere Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende». Das Postulat wurde im Sommer einstimmig durch den Bundesrat angenommen. Wie das NFP 67 zum Thema «Lebensende» zeigte, besteht nach wie vor Handlungsbedarf: Palliative Care Angebot in der Schweiz sollen gestärkt, besser erreichbar und vernetzt werden. Der Bericht zum Postulat, welcher vom Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit palliative ch verfasst wird und bis Ende 2019 vorliegen soll, wird sich insbesondere auf die Anerkennung des bereits Bestehenden sowie die Bedürfnisse der Bevölkerung, aber auch auf die Bereiche der Versorgung und Finanzierung, Sensibilisierung und die gesundheitliche Vorausplanung fokussieren (vgl. Präsentation).

Peter Catlos, Tarifexperte des Krankenversicherungsverbandes «curafutura», setzte sich mit der Komplexität der CHOP-Kodes der Palliative Care auseinander. Mit der KVG-Revision fand eine Verschiebung von Rückerstattung der Kosten hin zu einer Finanzierung der Leistungen statt. Damit erhoffte man sich mehr Transparenz hinsichtlich der Kosten und der Qualität. In Folge haben sich auch die Rahmenbedingungen für die Abrechnung der Palliative Care wesentlich verändert: Ab 2019 müssen alle Institutionen mit einem akutsomatischen Leistungsauftrag nach SwissDRG abrechnen. Diverse Leistungen sind im CHOP nicht adäquat berücksichtigt (z.B. nicht KLV-pflichtige Leistungen wie Seelsorge, Kunsttherapie u.a.; komplexe pflegerische und Betreuungsaufgaben wie z.B. Überwachung beim Delir, Gespräche mit Angehörigen nach dem Versterben von Patienten oder Leistungen von Freiwilligen). Insbesondere, da SwissDRG jedoch ein relativ langsam lernendes System ist, ist eine CHOP-Überarbeitung mit Mass notwendig. Weitere Präzisierungen (z.B. hinsichtlich den Leistungen von Palliativ-Konsiliardiensten) sowie eine bessere Leistungserfassung in den Spitälern durch eine gesteigerte Datenqualität werden jedoch als notwendig angesehen. Mithilfe des verpflichtenden Labels «qualitépalliative» soll ermöglicht werden, anstelle von systematischen Einzelfallprüfungen nur noch Stichproben vorzunehmen (vgl. Präsentation). 

 

In weiteren Referaten stellten Olga Endrich, Leiterin Medizincontrolling Inselspital und Monika Hagemann, Projektleiterin Direktion Medizin sowie Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Palliative Care der Universität Bern, sowie Daniel Rauch, ärztlicher Leiter der Palliativstation im Spital Thun, verschiedene Fälle aus ihren jeweiligen Institutionen und entsprechende Kostenanalysen vor. Es kristallisierte sich heraus, dass

  • die Wirtschaftlichkeit abhängig vom Patientengut sowie den Behandlungspfaden ist. Bei direkten Eintritten in die Palliativstation ist die Kostendeckung grundsätzlich besser.
  • Es gibt immer einzelne Hochkostenfälle (insb. aufgrund ihrer Komplexität, Instabilität oder langen Verweildauer), welche durch das SwissDRG-System nicht adäquat abgedeckt sind. Beispielsweise unterscheiden sich gemäss der Forschungsarbeit von Frau Hagemann die Gesamtkosten von Patienten mit und ohne Palliative Care nicht wesentlich, da Patienten mit einer Palliative Care Intervention zwar kostengünstiger sind, aber die Verweildauer länger ist.
  • Ein wichtiger Aspekt ist das gut funktionierende Zusammenspiel zwischen stationären und ambulanten Leistungserbringern. Konsiliardienste und mobile Dienste verfügen jedoch noch über eine zu wenig geregelte Finanzierung.

 

Franziska Schlägel von der SwissDRG AG berichtete in einem weiteren Schritt über die aktuellen Herausforderungen im DRG-System im Hinblick auf die Palliative Care. Basierend auf Datenanalysen von 2015 - 2017 stellen sich diverse Fragen: obwohl der Kode 93.8A.3 anzahlmässig mehr abgerechnet wurde, sind die mittleren Kosten des Kodes 93.8A.2 höher. Zudem resultieren eine zunehmende Anzahl Fälle nicht in der DRG A97. In Folge sollen drei weitere DRGs, welche ebenfalls häufig kodiert werden, für die Version 9.0 / 2020 detaillierter geprüft werden. Nach wie vor ist es aufgrund einer geringen Fallzahl schwierig, eine Kostenhomogenität herzustellen. Trotzdem ist man bestrebt, die Abbildung komplexer Fälle im System weiterhin zu verbessern (vgl. Präsentation).

 

Im Rahmen einer abschliessenden Podiumsdiskussion beleuchteten die Referentinnen und Referenten die Hauptherausforderungen der Abbildung der spezialisierten Palliative Care im SwissDRG-System aus verschiedenen Blickwinkeln und diskutierten gemeinsam mögliche Lösungswege. Weiterhin stellen sich prinzipielle Fragen an das DRG-System aus Perspektive der Palliative Care: welche Leistungen haben welchen Wert? Was ist zum Beispiel ein gutes Gespräch? Macht es Sinn, am Lebensende nach medizinischen Diagnosen abzurechnen oder ist «pauschalisiert sterben» nach wie vor «nicht gut sterben»? Zusammenfassend zeigte sich, dass qualitativ hochstehende Daten und vertiefte Fall- und Kostenanalysen weiterhin wichtige Grundlagen für die Suche nach kreativen Ideen für eine ethisch und wirtschaftlich befriedigende Lösung insbesondere für sterbende Menschen innerhalb und ausserhalb des Systems sind und deshalb von allen Stakeholdern vorangetrieben werden sollen.


Bern, 20.11.2018
Koordinationsstelle Subgruppe akutstationäre Tarife von palliative ch,
Sibylle Felber – sibylle.felber@insel.ch

 


Dokumente

Kosteneffektivität von Palliative Care
Die folgende Übersicht dokumentiert Ergebnisse von 15 internationalen Studien zur Kosteneffektivität von Palliative Care bzw. Kosten am Lebensende. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Beurteilung der Forschungsmethodik. Es handelt sich um eine rein deskriptive Wiedergabe von Forschungsresultaten im Wissen darum, dass die Ergebnisse nicht 1:1 auf das schweizerische Gesundheitssystem übertragen werden können. Die Auswahl der Studien basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche zu Kosten und Palliative Care/Lebensende in verschiedenen Katalo-gen und Verzeichnissen (PubMed, Web of Science, BioMed Central). Die Suche wurde auf die Jahre 2006 bis 2011 eingeschränkt.
«Kosteneffektivität von Palliative Care – Literaturasnalyse» (PDF)